Geschichte der 1. Luftlandedivision und ihrer Nachfolger

Die 1. Luftlandedivision der Bundeswehr

Mit der Aufstellung der neuen Luftlandetruppe der Bundeswehr wurde 1956 begonnen; noch im Herbst gleichen Jahres wurde angeordnet, die 1. Luftlandedivision aufzustellen. Neben den ersten Freiwilligen und den Angehörigen des Bundesgrenzschutzes, die sich zu der jungen Luftlandetruppe gemeldet hatten, bildeten ausgewählte Offiziere und Unteroffiziere aus der alten Fallschirmtruppe der Wehrmacht den Stamm dieser Truppe. Von Beginn an erforderte zum einen der Auftrag im Rahmen der Vorneverteidigung, zum anderen die technische Entwicklung, insbesondere des Hubschraubers, eine ständige Anpassung von Ausrüstung, Ausbildung, Einsatzgrundsätzen und Organisation. Der Fallschirmsprung behielt so seine zentrale Bedeutung, wurde aber ergänzt durch neue Verfahren und nicht zuletzt die Unterstützung durch Hubschrauber in vielfältiger Form.
Zusätzlich zu den erprobten Einsatzgrundsätzen der Fallschirmjäger und Luftlandetruppen mußten neue entwickelt werden, wie z.B. die für den Jagd- und Kommandokampf. Die Einführung völlig neuartiger Waffensysteme, wie z.B. der Luftlandewaffenträger WIESEL, erforderten Umgliederungen, zusätzliche Ausbildung und Aufstellung neuer Verbände.
Ruhig war es in der 1.Luftlandedivision nie!
Seit den 1970er Jahren verfügte die Division mit den drei Luftlandebrigaden:

mit jeweils vier Fallschirmjägerbataillonen über ihre volle Stärke.
Sie war damit nicht nur die einzige luftbewegliche, sondern auch die einzige deutsche Division, die über die ganze damalige Bundesrepublik verteilt war.
Die 1. Luftlandedivision war aber gleichzeitig die Division des deutschen Heeres mit der längsten und weitreichendsten internationalen Erfahrung:

Über die Übungen hinaus vermittelten der Austausch mit anderen Armeen und die Teilnahme an internationalen Wettbewerben vielen Soldaten der Division internationale Erfahrungen.
Von daher war es auch folgerichtig, daß man auf Divisionsstab und zu einem wesentlichen Teil auch auf Truppenteile zurückgriff, als es galt, nach dem Golfkrieg die größte Not bei den aus dem Irak in den Iran geflüchteten Kurden abzuwenden.
Auch im Vorkommando und ersten Kontingent für den UN-Einsatz für Somalia 1993 stellten die Männer mit dem bordeauxroten Barett und dem Fallschirm auf dem Arm die Korsettstangen.
Trotz dieser Erfahrungen war bereits 1991 entschieden worden, im Rahmen der Umfangsreduzierung und Neustationierung auch die 1.LLDiv aufzulösen. 1994 war es dann soweit.
Die bisherigen Aufgaben der 1.LLDiv und die Führung der Luftlandebrigaden wurden seitdem vom neu strukurierten Kommando Luftbewegliche Kräfte/4.Div in Regensburg wahrgenommen.


Das Kommando Luftbewegliche Kräfte und 4. Division

„Der Stab des Kommando Luftbewegliche Kräfte und 4. Division plant, bereitet vor und führt die Einsätze deutscher Truppenteile im Rahmen kollektiver Sicherheitsbündnisse der Landes- und Bündnisverteidigung sowie humanitäre Hilfeleistungen, Rettungs- und Evakuierungseinsätze.
Als taktischer Stab ist er zur Führung von luftbeweglichen Kräften des Heeres befähigt.“

Schwerpunktaufgabe des Kommandos war die Wahrnehmung der Aufgabe des „Nationalen Befehlshabers im Einsatzland“ und damit die Wahrnehmung deutscher Interessen bei Einsätzen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Er stellte gleichzeitig bei diesen Einsätzen immer dann die nationale Führungsfähigkeit sicher, wenn das Heeresführungskommando in Koblenz hierfür „Leitkommando“ war und diese somit nicht in Verantwortung von Luftwaffe oder Marine durchgeführt wurden.

Dem aus der ehemaligen 4. PzGrenDiv und 1. LLDiv ab 1993 aufgewachsenen Kommando unterstanden die beiden Luftlandebrigaden 26 in Saarlouis und 31 (früher LLBrig 27 Lippstadt bzw. PzGrenBrig 31) in Oldenburg sowie das seit Herbst 1996 aus der LLBrig 25 aufgewachsene Kommando Spezialkräfte in Calw. Das Kommando verfügte zusätzlich über das FmRgt 4 zur Führungsunterstützung, zu dem auch die früher in Bruchsal stationierte FmKpAMF gehörte.

Das Kommando war seit Beginn des deutschen Engagements im Rahmen von IFOR und SFOR im ehemaligen Jugoslawien mit wesentlichen Teilen des Stabes und der unterstellten Truppen „dabei“ und nahm darüberhinaus – neben zahlreichen zumeist internationalen Übungs- und Ausbildungsaufgaben – auch z.B. noch die des Nationalen Befehlshabers bei der Brandkatastrophe in Griechenland 1995 wahr. Es stellte mehrfach den Nationalen Befehlshaber beim IFOR/SFOR-Einsatz und verstärkte dabei auch die internationalen Kommandobehörden und Stäbe bei diesen Einsätzen. Kommando und Truppe waren so ständig mit Teilen im Einsatz, mit anderen Teilen bei Übungen irgendwo in Europa oder auch in Übersee und wiederum anderen bei der Ausbildung.

Gliederung, Ausbildungsstand, Ausstattung und mittlerweile gewonnene Erfahrung – nicht zuletzt aber die unterstellten Luftlandebrigaden und das Kommando Spezialkräfte – machten es gerade im neuen Aufgabenspektrum des Bundeswehr zu einem unverzichtbaren, reaktionsschnellen, vielseitig und flexibel einsetzbaren Instrument für unsere Sicherheit.

Am 01.04.2001 ist das KLK in die Division für Spezielle Operationen (DSO) übergegangen.


Die Division für Spezielle Operationen (DSO)

Die Division für Spezielle Operationen ist eines von vier völlig neuartigen Elementen, die das Heer für seine zukünftigen Aufgaben bereithält.

Das Aufgabenspektrum der DSO hat seinen Schwerpunkt bei der Fähigkeit zum Schutz eigener Kräfte beim Einsatz außerhalb Deutschlands. Sie konzentriert sich hauptsächlich auf Rettungs-, Evakuierungs-, Rückführungs- und Schutzoperationen.

Daneben liegen die Aufgaben der DSO aber auch in der Zusammenarbeit mit den spezialisierten Kräften der Luftwaffe und der Marine und in der Koordination bei Operationen im Rahmen des NATO-/EU-Krisenmanagements. Im Stab der DSO wird ein Großteil des Personals des Heeres bereitgehalten, das im Rahmen von Spezialaufgaben unter multinationaler Führung die deutschen Interessen wahrnimmt.

Die DSO erarbeitet auch die konzeptionellen Grundlagen, Ausbildungs- und Einsatzkonzepte sowie Einsatzverfahren für spezielle Operationen.

Die DSO unterscheidet sich damit sowohl konzeptionell als auch hinsichtlich Struktur und Fähigkeiten fundamental von der „klassischen“ Heeresdivision, sie ist aber auch keine herkömmliche Luftlandedivision. Sie war als erste der Heeresdivisionen 2003 in der neuen Struktur voll einsatzbereit.



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